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Presse:

 FRITZ Gastroguide März 2005

 mediterran mit euro-asiatischem Akzent

Zwischen Jugendstil und modern elegant

Der Fürstenbahnhof bietet mehr als eine historische Umgebung
Fritz Gastroguide März 2005

Der historische Jugendstilanbau am Darmstädter Hauptbahnhof, 1910 bis 1912 erbaut, beherbert das Lunch-Restaurant Fürstenbahnhof.

Der Betreiber hat erhebliche Sorgfalt darauf verwendet, die Innenräume vom Ambiente des Jugendstils bis hin zu modern-elegant, angenehm auszustatten. Der große Saal, die Lounge, wird dominiert von einem roten Sofa - einem Eye-Catcher - und einer Bar, die keine Wünsche offenlässt. Zwar ist die Sicht auf die Gleise der Bahn wegen der hoch angebrachten Fenster beeinträchtigt, trotzdem fühlt man sich in dieser Umgebung wohl, kann man doch den Ausblick auf die Vorderseite mit dem Brunnen voll genießen.

Der kleinere Saal wurde bei der Erbauung von Großherzog Ernst-Ludwig dem Jugendstilkünstler Jakob Julius Scharvogel zur Ausstattung überlassen, der ein wahres Meisterwerk schuf. Das Ambiente ist im Fürstenbahnhof elegant und passt zu dem dargebotenen Champagner, excellenten Weinen, Whisky und Zigarren. Insgesamt finden im Restaurant 45, in der Lounge 70, im Fürstensaal 70 und auf der Terrasse 250 Gäste einen Platz. Die Küche offenbart sich mit mediterranen Gerichten und einem euro-asiatischen Akzent. Angefangen von kleinen Startern, Salaten und vegetarischen Gerichten, bietet die Speisekarte außerdem noch zirka sechs Hauptgerichte, hier „Mains" genannt sowie diverse Desserts. Spezialitäten, wie Gambas vom Grill oder Lammcarree unter Ingwer-Honigkruste, sollte man schon mal probiert haben. Die Getränkekarte ist schier unendlich und lässt keine Wünsche offen. Unter anderen werden aus dem gut gefüllten Weinkeller ein 1996er Chäteau De Chantegrive, oder ein 2001er Septima Cabernet, Sauvignon, Argentinien, ein 2002er Lorcher Pfaffenwies Riesling Spätlese, oder ein 2002er Sancerre Domaine Du Grand Moulin ausgeschenkt. Die Freunde des Gerstensaftes können Bitburger Pils, Köstritzer Schwarzbier oder ein Franziskaner Weizen genießen.

Alles in allem ist der Fürstenbahnhof ein Lunch-Restaurant, dem man Aufmerksamkeit schenken sollte. Das freundliche Personal wird es Ihnen danken.

Das Restaurant und die Lounge sind von Montag bis Samstag von 10 bis 1 Uhr und am Sonntag von 10 bis 24 Uhr geöffnet; an warmen Tagen kann man sich im Biergarten auf dem inzwischen renovierten Vorplatz, von Montag bis Samstag und Sonntag 17 bis 1 Uhr verwöhnen lassen. Parkplätze findet man im Parkhaus an der Westseite des Hauptbahnhofes für 1 Euro pro Abend.

Fürstenbahnhof Innen

Ambiente pur! 

GANZ FÜRSTLICH!

Im Fürstenbahnhof zu Darmstadt, wo gekrönte Häupter auf ihren Zug warteten, sitzen heute Feinschmecker in herrlichem Ambiente in der ersten Reihe. Und in der Küche agiert der ehemalige Sterne-Koch Alois Köpf.
Ingrid Schick, Journal Frankfurt, 27.01.2005

Egal ob in der von einem knallroten Sofa dominierten Lounge mit schöner Bar und Lauschigem Separée oder im Restaurant, dem ehemaligen Schreibzimmer des Großherzogs Ernst Ludwig - das Ambiente des Fürstenbahnhofs ist einmalig. Im Restaurant vollständig erhalten: die kunstvollen Kacheln von Julius Scharvogel, dem Gründer und Leiter der Großherzoglichen Keramik-Manufaktur, sowie ein Jugendstil-Wandbrunnen. Hingucker: die original Jugendstil-Leuchten.

Zum gastronomischen Gesamtkonzept gehört Frühstück an sieben Tagen in der Woche bis 18 Uhr, Business Lunch (eines der besten Lunch-Restaurants 2004 laut Feinschmecker), Abendessen bis zum Cocktail an der Bar für den Nachtschwärmer. Sommers wird das Gastro-Konzept auf der weitläufigen Terrasse mit Blick auf Bahnhofsvorplatz und Kastanien konsequent weitergeführt.

Wir kommen am Abend, beste Stimmung und ein freundlicher italienischer Kellner, der uns den ganzen Abend lang vortrefflich berät und begleitet, nehmen uns in Empfang. Wir haben die Wahl: Tages- oder feste Karte. Keine Frage, wir speisen tagesaktuell: eine mutig gewürzte, scharfe Kokos-Curry-Suppe mit Meeresfrüchten (7 Euro) und sehr schön arrangiertes, feines Kartoffelcarpaccio mit Lachstartar und Schmand (8,90 Euro) beispielsweise. Bereits vorneweg hat uns Giuseppe, so heißt er, der flinke, kompetente Ober, mit einem fruchtigen Bergsträßer Tröpfchen, einem 2003er Auerbacher Höllberg, Chardonnay Spätlese im Barrique ausgebaut von Simon-Bürkle (25 Euro) gut beraten und versorgt. Der Jahrhundertsommer hat auch in den Trauben an der Bergstraße vollfruchtigen Geschmack, diesmal nach Kirschen und Johannisbeere, hinterlassen. Das Holz hält sich geschmacklich dezent zurück, setzt vielmehr einen runden, ergänzenden Akzent beim Abgang. Derart eingestimmt, erwarten wir die Pecorino-Ravioli mit Jacobsmuscheln (16 Euro), die pikant gewürzt serviert werden. Etwas deftiger: das Rumpsteak Strindberg unter der Senfkruste an Ratatouille und Kartofftelgratin ( 16,50 Euro). Schade, dass der Eigengeschmack des zarten Fleisches sehr von der markanten Senfkruste dominiert wird. Diesen kleinen Fauxpas macht der Dessertteller Fürstenbahnhof (7,90 Euro) mit Crème Brulée, Birnen-Tarte, exotischem Fruchtkompott, Eis von der Kirsche, Mango-Creme sowie Flugananas und verschiedenen Früchten hübsch in kleinen Schälchen auf rechteckiger Platte angerichtet, wett.

"Der Feinschmecker" 2/2004
Vom "Der Feinschmecker" gewählt
Zwölf Uhr mittags...

 


Wer auch mittags nicht von der Hand in den Mund leben möchte, erlebt nicht selten eine Gastronomoie in bedauerlicher Verfassung. Wir informieren in dieser Broschüre über Alternativen zum Fastfood: 250 Adressen mit einem guten Lunch-Angebot in Deutschland. Es gibt noch immer TOP-Restaurants, deren Küche man mittags kennen lernen kann - meist zu einem günstigeren Preis als abends. Wir besuchten die netten Italiener um die Ecke und haben Szenelokale aufgenommen, die anständiges Essen in fröhlicher Atmosphäre bieten. Wir haben unsere Tipps auf große und mittlere Städte konzentriert, wo das Bedürfnis nach einem angemessenen Business-Lunch, einer komfortablen Mittagspause oder einer kulinarischen Rast beim Shopping am größten ist......

und weil wir hier in Darmstadt sind:

Fürstenbahnhof

Am Fürstenbahnhof 3-4

Kein Ruhetag, Hauptgerichte von € 7-10

Textauszug: Schön restauriertes Restaurant im Hauptbahnhof. Preiswerte Business-Lunch-Karte mit klassischen und modernen Gerichten. Zur geschmorten Lammhaxe in Rosmarinjus gibt's sogar ein Glas Rotwein gratis. Bemerkenswerte Weinkarte.

Der Wochenplaner für Ffm und Rhein-Main, 52-2003
Ein Abend im.... F ü r s t e n b a h n h o f
Essen & Trinken


gemütliche Eleganz im Fürstenbahnhof

In Bahnhofskneipen lässt sich immer jemand zum Reden finden, so zwischen Bulette und Korn. Nickt man alles nur ab, wird's meist ein gelungener Abend. So auch neulich im Fürstenbahnhof, jenem Flügel des Darmstädter Hauptbahnhofs, bei dem einem das Wort von der Bahnhofskneipe allerdings im Halse stecken bleibt. Denn der Fürstenbahnhof, einst Privatbahnhof des hessischen Großherzogs Ernst Ludwig, ist seit etwa einem halben Jahr noble Lounge und feines Restaurant. Außer einem "ICE Frühstück" auf der Karte will so gar nichts an den nahen Gleisanschluß erinnern; aber kommunikativ ist es hier immer noch.

Wer als Ansprechpartner Daniel Maier erlebt, hat großes Glück. Denn der Südtiroler ist der Sommelier des Hauses. Da ich seine Empfehlung widerspruchslos abnickte, wurde es ein gelungener Abend. Wobei das Erste, was man im Fürstenbahnhof eingeschenkt bekommt, ungefragt geschieht: griechisches Olivenöl zu etwas Weißbrot. Das ist schon mal ein sinnenbetörender Vorbote dessen, was noch kommen wird. "Vorsicht, Gaumen" sagt das Öl, "jetzt erlebst Du was".

Zur Auster auf der Salat-Chiffonade etwa gibt's einen halbtrockenen Rheingau-Riesling von Jung. Wieso gerade der? Maier hat es ausführlich geschildert, doch lenkt mich der Austernteller zu sehr ab. Da sind zwei Austernhälften auf Eis gebettet; gratiniert, also innen kalt, oben warm. Raffiniert. Wie alle Teller, die aus der phänomenalen Küche herausgetragen werden, genügt auch hier die Deko architektonischen Ansprüchen. Mal ist es Dill, mal Rosmarin, das sich einem satt und hoch entgegenstreckt, mal streben Selleriestangen quer über das Gedeck. Roter Pfeffer scheint der rote Faden des Monats zu sein.

"Sie werden Cassis schmecken und Leder und nur ganz wenig Holz", sagt der junge Mann, der früher in der berühmten Wiesbadener "Ente" den Wein versorgte und nun in Darmstadt sein Reich aufbaut. Der Tempranillo passt bestens zum Rinderfilet Rossini, jenem Prachtstück von Fleisch, auf dem eine deliziöse Gänsestopfleberscheibe liegt. Wie recht mein Sommelier hat! Wobei, meint er beim nächsten Besuch am Tisch, mittlerweile sei er zu dem Entschluß gekommen, dass sich dieser Wein fast besser noch mit dem Wild gefüllten Tortelloni meiner Begleiterin verstanden haben dürfte. Wir nicken und glauben und können einfach nicht widersprechen.

Übrigens: Demnächst eröffnet das Fürstenbahnhof-Team auch in Mainz eine Lokalität. Im Hauptbahnhof, klar.

- Stefan Schickhaus -

Darmstädter Echo, 30.06.2003
Der Brunnen leuchtet wieder golden
Hauptbahnhof: Der Platz an der Südseite glänzt wie neu - Als nächstes wird das Hallendach erneuert - Jazzveranstaltungen im Juli und August

Was lange währt, wird endlich gut. Nach rund sechs Monaten Bauzeit zeigt sich der Bahnhofsvorplatz des Hauptbahnhofes im neuen Gewand. Zahlreiche Gäste fanden sich am Sonntagvormittag zur Neueinweihung ein.

„Der Platz erstrahlt in neuem Glanz", sagte der designierte Baudezernent Dieter Wenzel, der stellvertretend für den scheidenden Baudezernenten Hans-Jürgen Braun sprach, „ganz wie zu Zeiten des Fürsten". Der Platz werde einer der beliebtesten Orte Darmstadts werden, war sich Wenzel sicher.

Die Baumaßnahmen am Bahnhofsvorplatz verliefen in zwei Abschnitten. Zum einen wurde der Belag komplett erneuert, zum anderen der vorhandene denkmalgeschützte Brunnen aufgearbeitet und restauriert. Die Fläche zwischen dem historischen Brunnen und dem Fürstenbahnhof stellt die Deutsche Bahn AG der dort ansässigen Gastronomie als Außenbewirtungsfläche zur Verfügung.

Für die Platzgestaltung wurden 160 000 rote Granitsteine verwendet. Diese ergeben ein einheitliches Gesamtbild. Darin fügt sich auch der historische Brunnen ein. Dieser wurde zerlegt und leuchtet nach Reinigung des Schmiedeschmucks wieder golden über dem Vorplatz. Der Originalzustand des Brunnens wurde in Abstimmung mit dem Amt für Denkmalpflege wieder hergestellt, so Oliver Gutheil von der Deutschen Bahn AG.

„Der Platz ist ein weiteres Mosaikstück der Gesamtumgestaltung des Bahnhofes", sagte die Regionalbereichsleiterin der Deutschen Bahn, Susanne Kosinsky. Sie betonte, dass die Bahnhöfe die Visitenkarte der Bahn seien. Gleichzeitig dienten sie aber auch als Kommunikationsplattform für Bürger. Der Darmstädter Hauptbahnhof sei mit 45 000 Reisenden täglich die Drehscheibe für den Odenwald und die Bergstraße. Als nächste Maßnahme werde im Hauptbahnhof das Hallendach erneuert.

Kurt Glotzbach vom Centermanagement der Deutschen Bahn kündigte an, dass auf dem neu gestalteten Bahnhofvorplatz auch kulturelle Veranstaltungen geplant seien. Es stehe jetzt schon fest, dass es im Juli und August unter anderem Jazzfrühschoppen geben werde.

Frankfurter Rundschau - Bericht von Astrid Ludwig
Stilvolle Wiedergeburt eines hochherrschaftlichen Absteigers
Im Darmstädter Kaiserbahnhof wartete schon der Zar auf den Zug - heute müssen die einfachen Leute nicht mehr draußen bleiben

DARMSTADT. Sieben ältere Damen haben sich in die Ledersessel gleich unter den verschnörkelten Sprossenfenstern sinken lassen und trinken trockenen Sherry. Sichtlich genießen sie an diesem Nachmittag das edle Bistro- und Restaurant-Ambiente. In ihrer Jugend war ihnen der Zutritt zum "Fürstenbahnhof", dem Privattrakt von Fürst Ernst Ludwig, verwehrt. Hier, zu dem 1912 erbauten Seitenanbau des Hauptbahnhofes, hatte nur Zutritt, wer zum Gefolge seiner Durchlaucht gehörte. Kaiser und Könige warteten im Jugendstil-Ambiente auf die Ankunft ihres Zuges. Der russische Zar Nikolaus setzte seine Füße auf das elegante Parkett, und im kunstvoll gekachelten Nebenraum erledigte der Fürst bis zur Abfahrt seine Schreibgeschäfte. Rollte der Zug dann schnaufend und dampfend auf Gleis 1 ein, begab sich der Adel ein Stockwerk tiefer ins Fürstenzimmer, das direkt neben dem Bahnsteig liegt.

Nach Jahrzehnten des Schattendaseins, in denen die Bahnhofsmission und die Bahnpolizei in dem Anbau residierte, ist der Fürstenbahnhof, auch Kaiserbahnhof genannt, wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Zwar ist von der ursprünglich prachtvollen Jugendstil-Ausstattung des Privattraktes nicht viel geblieben außer den kunstvollen Kacheln des Leiters der Großherzoglichen Keramik-Manufaktur, Jacob Julius Scharvogel. Doch der neue Pächter versteht das Bauwerk in Szene zu setzen. Jorge Droukas, 39-jähriger Gastronom und Darmstädter, hat den ehemaligen Empfangsräumen mit seinem Restaurant neuen Glanz verliehen.

Seit Oktober 2002 hat er das Bauwerk von der Bahn gepachtet und einen Bar-, Lounge- und Restaurantbetrieb eröffnet. Er bietet mediterrane Küche mit asiatischen Einsprengseln zu moderaten Preisen, frische Salate, Pasta, 160 verschiedene Weine und ein Angebot auch schon zur Frühstücks- und Kaffee-Zeit. Von 9 Uhr morgens bis 1 Uhr in der Nacht ist das Haus geöffnet und weit davon entfernt, eine Bahnhofskneipe zu sein.

Der Gast wandelt auf griechischen Schiffsplanken, sitzt entspannt an der Bar oder auf einem großen roten Ledersofa, pickt im Salat an kleinen Tischen in ochsenblutrot gestrichenem Empfangsraum, umgeben von alten Reisekoffern und unter eigens angefertigten riesigen Art-Deco-Lampen. Wer es exklusiver mag, der kann im Restaurant gleich nebenan speisen. Dort, wo die Decken vier Meter hoch sind und die braunblauen Fliesen des Julius Scharvogel und ein Jugendstil-Keramikbrunnen noch die Wände bedecken. Hier steht alles unter Denkmalschutz.

Ein Jahr lang hat Droukas am Konzept für seinen Fürstenbahnhof gefeilt und rund eine drei viertel Million Euro in den Ausbau gesteckt. Nichts ist von der Stange, die Preise dennoch Mittelklasse. 35 Angestellte arbeiten im Schichtbetrieb. Der griechischstämmige Darmstädter wollte den schönen Räumen gerecht werden, jedoch kein Edel-Lokal schaffen oder einen Szene-Treff. Im Fürstenbahnhof sollen sich alle wohl fühlen, sagt er. 90 Prozent der Gäste kommen daher auch gezielt hierher, nur zehn Prozent sind die klassischen Bahnhofs-Pendler.

Das Konzept geht auf. "Wir wurden geradezu überrannt", erzählt Droukas, obwohl ihn viele vorher gewarnt hatten. "Die hatten noch das Schmuddelimage im Kopf." Das hat sich geändert. Die Restaurierung hat geholfen, den Bahnhof wieder ins Bewusstsein der Darmstädter zu bringen, sagt der Gastronom. Sogar Führungen der Stadtmarketing-Gesellschaft ProRegio werden für den Fürstenbahnhof mittlerweile angeboten. Jeden Abend ist sein Restaurant ausgebucht. "Das liegt am Ambiente", ist er sich sicher. Viele kommen, weil sie einfach auch einen Blick in den denkmalgeschützten Bahnhof werfen wollen. Vor allem in das Fürstenzimmer im unteren Stock, das der Pächter als Saal für Feiern und Feste vermietet.

Große Kristalllüster hängen hier im Fürstenzimmer an der Decke. Die Wände sind cremeweiß getüncht und im dezenten Wechsel mit flaschengrünen Jugendstil-Kacheln gefliest. An der Stirnseite prangt das Wappen des Fürsten. 70 Personen können an einer langen Tafel Platz nehmen - und im Bewusstsein dinieren, dass hier schon mal der russische Zar auf den Zug gewartet hat.

Darmstädter Echo, 28.06.2002
Entree mit Stil, Ambiente zum Herzeigen


Die Vorplätze südlich und östlich der Empfangshalle des Hauptbahnhofs gaben über Jahrzehnte ein trostlos ungeordnetes Bild ab. Abhilfe tat Not.Eine Broschüre der Stadt kündigte wesentliche Sanierungsmaßnahmen an. Das war im Jahre 1993. Zu lesen war: "Das denkmalgeschützte Ensemble wird entrümpelt. Die Plätze sollen wieder angenehme Aufenthaltsorte und eine gute Visitenkarte der Stadt werden." Das war der Vorsatz. Darmstädter Vorsätze brauchen Zeit. Zehn Jahre später kann nun, Stück für Stück, Vollzug gemeldet werden.

Am Sonntag (29.) wird der Platz vor dem Fürstenbahnhof und dem Südeingang des Hauptbahnhofs offiziell eingeweiht. Die kleine Zeremonie wird um 11 Uhr von Baudezernent Hans-Jürgen Braun und Susanne Kosinsky von der Deutschen Bahn AG vorgenommen. Danach spielt bis 15 Uhr Musik auf dem Platz, der von großen Schirmen und alten Kastanien beschattet wird. Die Formation "Talking Sax" wird sich dabei vorrangig dem Soul-Jazz der sechziger Jahre annehmen.

Vor einem Jahr war das Gelände von aufgewühlter Erde, Bauzäunen und heftigem Baumaschinenverkehr geprägt - Teil der Sanierung des gesamten Hauptbahnhof-Gebäudeensembles durch die Deutsche Bahn. Integriert sind diese Arbeiten in die große städtische Anstrengung um die Neuordnung der Verkehrsdrehscheibe Rheinstraße/Platz der Deutschen Einheit/Goebelstraße. So ist die Wiederherstellung des Vorplatzes zum Fürstenbahnhof also nur ein Teil des Puzzles.

Das, was bis 1918 tatsächlich Fürstenbahnhof war, ist heute Bar und Restaurant, geleitet von Georgios Droukas. Mit seiner gastronomischen Unternehmung gehört er zu der vor einem Jahr gegründeten "Werbegemeinschaft Dienstleistungszentrum Hauptbahnhof", die alle Geschäfte und Anbieter umfasst, die Mieter der Deutschen Bahn sind. Die Werbegemeinschaft will in Zukunft, so Droukas, "mit einer Serie von kulturellen Open-Air-Veranstaltungen den Platz beleben." Zunächst einmal im Monat. Auch die kommenden beiden Termine stehen bereits fest: Am 27. Juli spielt "Crunchy Dog" Akustik-Jazz auf dem Platz, am 24. August offerieren die "Sultans of Swing" Jazz und Blues, jeweils ab 11 Uhr.

Der Platz könnte zum Musterbeispiel urbaner Revitalisierung werden. Fehlte nur noch ein Name, der zum wiedergewonnenen Ambiente passt. Ein schönerer als Bahnhofsvorplatz.

Darmstädter Echo, 19.5.2003
Fürstenbahnhof in Darmstadt
Vom frühen Kaffee bis zum späten Gutenachtschluck sollen vielfältige Wünsche erfüllt werden

Schade, dass der Großherzog die Fenster so hoch anbringen ließ. Vielleicht interessierte er sich ja nicht für das, was draußen geschah, vielleicht fürchtete er auch die neugierigen Blicke seines Volkes.

Dessen Nachfahren können, wenn sie heute im Restaurant des früheren Fürstenbahnhofs sitzen, nicht nach draußen gucken. Dabei gäbe es eine prachtvolle Aussicht auf die Bahngleise zur einen Seite, zur Dauerbaustelle Hauptbahnhof auf der anderen.

Aber dafür kann der Betreiber des Großlokals ja nichts. Er hat erhebliche Sorgfalt darauf verwendet, die Innenräume angenehm auszustatten und Gegensätze zu vereinen - edel, aber doch nicht übertrieben prätentiös, stilvoll, aber mit modernen Zutaten.

Im großen, "Lounge" geheißenen Saal dominiert neben der Bar ein kleinwagengroßes rotes Sofa, und an der Decke hängt ein Holzpferd, vielleicht zur Erinnerung an die Reisemöglichkeiten vor Erfindung der Eisenbahn.

Im kleineren Restaurant, das sich anschließt, ist der vom Großherzog beim Jugendstilkünstler Jakob Julius Scharvogel in Auftrag gegebene Zimmerbrunnen in eine Art Altar verwandelt worden, auf dem Champagnerflaschen dargeboten werden, und auf den hohen Fensterbrettern liegen Bücher, in denen die feine Lebensart mit Whisky, Zigarren und teuren Weinen beschrieben wird. In dem sehr gediegenen Ambiente stört nur der Blick auf eine eher schäbig wirkende Kleiderstange.

Auch zwei ältere Bände mit Hinweisen zu "neuzeitlicher Kochkunst" sind ausgestellt. Sie werden nicht gebraucht, denn unsere Stichprobe offenbarte eine durchweg sichere und ansprechende Küchenleistung, die dem gehobenen Preisniveau auch angemessen ist. Sehr schön die Kombination des Löwenzahn-Rauke-Salats mit der exotischen Passionsfruchtnote im Dressing; drumherum lagen gekochte Flusskrebse im Ganzen auf dem großen Teller, als wollten sie vom Salat naschen.

Die auf der Speisekarte avisierten Speckstreifen fehlten, aber vielleicht hätten sie ja gar nicht dazu gepasst (12,90 Euro). Das geschmorte Fleisch von der Lammhüfte war zart und aromatisch, die Soße kräftig konzentriert, der Teller mit kleinen Kartoffeln und Flageolettböhnchen schön angerichtet (15,80 Euro).

Die gewaltige Portion Ravioli (7,90 Euro), gefüllt mit Kräutern und Ricotta, lag in einer Sahnesoße, die ihre Leichtigkeit von eingerührtem Prosecco bezog, von dem allerdings wenig zu schmecken war. Einen deutlicheren Auftritt hatte der Prosecco beim frischen und zugleich würzigen, im Übrigen ziemlich winzigen Sorbet mit Limetten, Basilikum und Wodka (5,50 Euro).

Neben der guten Küche sind es sorgfältig arrangierte Kleinigkeiten, die das Restaurant angenehm machen. Anderswo mag vor dem Essen ein Butter- oder Quarktöpfchen stehen. Hier wird ein Pfützchen feinfruchtiges Olivenöl ausgegossen, in das man sein Weißbrot tunken kann.

Großartiger noch die Idee der "Starters": Wer diese Vorspeisen ordert, bekommt zur Auswahl ein Tablett mit gar nicht so winzigen Leckereien vorgelegt - eine Lachsroulade zum Beispiel, ein paar Flusskrebsschwänze mit Kräuterdip, eine mit aparter Füllung gerollte Zucchinischeibe (je 2,30 Euro).

Offene Weine gibt es ab knapp vier Euro, für ein Glas Sancerre werden stattliche 7,90 Euro verlangt. Der Grauburgunder aus dem renommierten Kaiserstühler Weingut Heger (4,50 Euro für 0,2 Liter) war leider zu warm. Das Angebot an Flaschenweinen ist stattlich und beginnt unter 20 Euro und endet bei knapp 300 für den 1997er Jahrgang der Prémier Crus aus dem Bordelais.

Im Übrigen ist es nicht ganz einfach, sich in der buchdicken Speisekarte zurechtzufinden: Die wechselnden Tagesempfehlungen finden sich ganz vorne, die übrigen Speisen ganz hinten, und zwischendurch trifft man auf eine lange Liste klassischer Cocktails (gibt es ab 17 Uhr) und Frühstücksvarianten, die für Spätaufsteher bis 18 Uhr angeboten werden.

Denn vom ersten Kaffee bis zum allerletzten Gutenachtschoppen will dieses Großlokal alle Wünsche erfüllen. Seit ein paar Tagen ist auch der große Biergarten eingerichtet, der so schön ausschaut, dass er über die verschwundenen Parkplätze an der Bahnhofs-Südseite hinwegtröstet.

Das ist eine schöne Aussicht vor allem deshalb, weil sich damit eine Fluchtmöglichkeit vor dem Musikprogramm auftut. Denn in dieser Hinsicht muss etwas verändert werden. Es mag ja eine zuvorkommende Idee sein, den Gästen in der Lounge etwas kräftigere, den Restaurantbesuchern etwas dezentere Musik vorzuspielen.

Aber erstens ist die Auswahl von höchst zweifelhaftem Geschmack, zweitens können die Ohren bei geöffneten Türen nicht wählen, was sie hören. Man sitzt also im Zweiklangland, im einen Ohr zum Beispiel Latino-Pop, im anderen schmelzende Tenorstimmen. Das passt so gut wie ein Klacks Senf zum Sylter Beerenbecher, der die Desserkarte schmückt.

Dabei würde es durchaus reichen, wenn ab und zu etwas Musik durch die geöffnete Tür hereinweht. Auch der außerordentlich freundliche Service kann an dieser misslichen Lage nichts ändern. Aber vielleicht ist das der Preis, den man für die Demokratisierung dieses fürstlichen Ortes zahlen muss.

Darmstädter Echo, 28.9.2002
Frühstück bei Fürstens
Neueröffnung: Aus Großherzog Ernst Ludwigs Privatbahnhof ist eine Brasserie mit Bar und Restaurant geworden

Noch werden den Gästen des ab heute offiziell eröffneten Brasserie-Restaurants „Fürstenbahnhof" Steine in den Weg gelegt - Pflastersteine aus China. Die Granitwürfel sollen künftig den Bahnhofsvorplatz strukturieren. Aber wenn es die Besucher erst einmal am Bauzaun vorbei bis zur Eingangstür des Fürstenbahnriegels zwischen Maritim-Hotel und Hauptbahnhof geschafft haben, werden sie alle Ungemach nach einem Wimpernschlag vergessen.

Sie betreten griechischen Schiffsboden, versinken in dunklen Ledersesseln, sind von Bildern Darmstädter Künstler umgeben und werden von prächtigen Artdeco-Lampen ins vorteilhafteste Licht gerückt. Kein Teil der Einrichtung ist von der Stange gekauft, mit Kunstverstand ausgewählte Möbelstücke unterstützen die großzügige Architektur.

Doch Halt - es könnte glatt der Eindruck entstehen, der „Fürstenbahnhof" sei darauf erpicht, ein besonders abgehobenes Restaurant für die oberen Zehntausend zu werden. Ein beständiger, über alle Moden erhabener „Klassiker" schwebt dem Wirt, Jorgos Droukas, vor. Sein Konzept heißt aaa - anders als die andern. Einerseits volkstümlich: Der Gastronomiebetrieb wird sich im Sommer zu einem Biergarten auf dem Bahnhofsvorplatz mit 140 bis 150 Plätzen auswachsen. Andererseits bürgerlich und familienfreundlich: Im Brasseriebereich mit Bar und 100 Plätzen kann von 9 bis 18 Uhr gefrühstückt werden, außerdem gibt es einen wechselnden Mittagstisch zum Preis von 6 bis 8 Euro - und Kinderhochstühle bei Bedarf. Und fürstlich sowieso: Im gefliesten, abgetrennten Restaurantbereich spielt eine dezentere Musik, werden die Weinkenner und Gourmets umsorgt.

Sechs Jahre hat Großherzog Ernst Ludwig das Privileg eines eigenen Bahnhofs genutzt. Den heutigen Restaurant-Teil des Gebäuderiegels ließ er von dem Keramiker Jakob Julius Scharvogel mit gesprenkelten Kacheln und einem Wandbrunnen veredeln, die jetzt aufs Schönste zur Geltung kommen. Vorher waren dort Bahnpolizei und Bahnhofsmission untergebracht.

Mit ihrer Wahlparty hatten die Freidemokraten die Brasserie am vergangenen Sonntag vorgetestet und dabei gleich den Beamer eingesetzt, der die Projektion von Fernsehbildern auf eine Großflächenleinwand ermöglicht. Künftige Besucher werden dort Sportereignisse - Fußballspiele, Formel-1-Rennen oder auch Videoprojektionen und Musikvideos - mitverfolgen.

In Ernst Ludwigs gekachelter, direkt an Gleis 1 gelegener Wartehalle, dem Fürstensaal, können bald Hochzeitsgesellschaften und Firmenbelegschaften dinieren und anschließend auf dem großherzoglichen Bahngleis lustwandeln. Er ist vom übrigen Bahnhof separiert. Hier sollen, so ist's geplant, historische Züge Station machen.

Droukas rechnet mit Gästen aus den umliegenden Firmen, Kino- und Weststadtbesuchern, Reisenden und Kundschaft aus der weiteren Umgebung. Ambiente, Happy-Hour-Angebote und Unterhaltungsprogramm sollen den Geschmack vieler treffen.

Der nobel herausgeputzte „Fürstenbahnhof" ist ein Sahnehäubchen fürs Auge und zusammen mit dem renovierten Hauptbahnhof eine Bereicherung für Darmstadt. So harmonische Bahnhofsensembles muss man in Europa lange suchen. Wenn da die Steine nicht wären. Solange sie noch im Weg liegen, gibt es zum Ausgleich für den Sohlenabrieb 10 Prozent Ermäßigung auf Speisen und Getränke.

Darmstädter Echo, 17.9.2002
Im roten Sofa über Gleis eins
Speisen " vom Baguette für vier Mark bis zum Filet für vierzig "


SPEISESAAL: Der intimere der vier Räume, in denen die Brasserie ihre Gäste bewirtet, ist noch mit den ursprünglichen Majolikafliesen geschmückt. (Fotos: Günther Jockel)

Ein bisschen Fantasie braucht man noch, und Geduld. Handwerker richten Bordsteine aus, Baggerchen häufeln Kies (Foto unten). An dieser Stelle wird Darmstadt im nächsten Frühjahr einen seiner feinsten Gastronomiegärten erhalten: eingefasst von der prachtvollen Südfassade des Hauptbahnhofs und der lang gestreckten Flanke des Fürstenbahnhofs.

Kastanien rascheln, die Fontänen der großen Brunnenanlage schießen auf, und zwischen 400 Stühlen wuseln die Kellner mit ihren Tabletts. Viele hundert Menschen arbeiten in der Umgebung - erstmals erwartet sie ein attraktives Angebot für die Mittagspause.

Abends leuchten sanfte Strahler den Wandschmuck aus, und dazu lodern Fackeln. So wird es sein. Späte Kinobesucher perlen herüber und sehen des Schlusslichtern des Autobusses nach Eppertshausen hinterher. Falls dort ein Bus hinfährt.

Ja, die "Brasserie Fürstenbahnhof" weiß, was sie dem Ort und seiner Geschichte schuldig ist. 1912 bis 1918 stiefelte hier der Großherzog treppab; danach nutzte die Bahn das klassizistische Häuschen. Erstmals seit 90 Jahren wird es nun der Öffentlichkeit dienen.

Und wie! Der Wirt - Jorgos Droukas und sein Team - haben vor, die Bahnimmobilie "mit dem vollen Programm" zu bespielen.

Außenhandel über dem Niveau von Biergärten, "aber volkstümlich", innen Speisen "vom Baguette für vier Mark bis zum Filet für vierzig". Und auf der Getränkekarte 150 Weine.

Nun ist das blaublütige Empfangsgebäude für solche Zwecke nicht gebaut worden. Sondern für ahnungsvolles Schreiten in Vorfreude kommender Veränderungen. Drum eine Folge von vielen Räumen; durchaus unpraktisch für die Gastwirtschaft.

Droukas will aus der Not eine Tugend machen, die Erlebniszonen von munter zu gediegen variieren, vorn, in der Lounge, der heitere Snack zum zügigen Bierchen, in den Tiefen des Gehäuses dann das stilvolle Dinieren.

Wobei der mehrfache Wechsel während eines Abends dem Gast nahegelegt wird - und wenn ihm zu wohl wird, darf er hoch über Gleis 1 im roten Sofa versinken. Er muss nicht mal allein sein.

Wo es - zum Essen - intim wird, bildet Darmstädter Jugendstil das Ambiente, Saucen tunkt man mit Blick auf grün-olive Majolikafliesen, eine jede handgefertigt, versichert der Denkmalschutz. Ziemlich feierlich.

Diese Anmutung setzt sich im vierten Raum fort, wo kleinere Gesellschaften bewirtet werden können. Größeren steht der eigentliche Fürstensaal offen, eine würdevolle Halle mit weiß-gold-grünen Pilastern und dem verschnörkelten Wappen Ernst Ludwigs, die über ihren eigenen Bahnsteig verfügt - zu Firmenfesten etwa könnte das Publikum mit dem Dampfzug anreisen, um auf dem Perron unter Palmen am Gläslein Begrüßungssekt zu nippen.

Das alles lässt hohe Investitionen ahnen, und einen Betrieb mit viel Personal. Frühstück von 9 bis 18 Uhr, flinker Mittagstisch, Caféangebot, Abendrestaurant mit Unterhaltung, Musik und Lichteffekte, am Wochenende bis 3 Uhr. So etwa.

Freilich sind die Wünsche der Darmstädter schwer vorhersehbar; darunter hat schon mancher Wirt gelitten. Droukas setzt auf ihre Lernfähigkeit - schließlich hat es etwas Vergleichbares zwischen Weststadtcafé und Oberwaldhaus noch nicht gegeben.

Die Eröffnung der "Brasserie Fürstenbahnhof" - ohne Wirtsgarten - ist am 1. Oktober

Darmstädter Echo, 8.8.2002
Abfahrt an Gleis 1
Das einst für den Großherzog errichtete Gebäude wird umgebaut, auf dem Vorplatz rollt der Bagger


BAUSTELLE: Die Deutsche Bahn lässt den Vorplatz des Hauptbahnhofs, zwischen Südeingang und Maritim-Hotel, neu gestalten. Im Fürstenbahnhof, dessen Erker einen hellen Anstrich und neue Fenster bekam, eröffnet der neue Pächter Georgios Droukas im September ein Bistro. (Foto: Günther Jockel)

Hinter dem Bauzaun ist die Erde aufgewühlt, ein Bagger zieht Gräben. Der südliche Vorplatz des Hauptbahnhofs ist nicht wiederzuerkennen. Steinmetzmeister Wolfgang Stein hat in den vergangenen Wochen die Einzelteile des Brunnenrands bearbeitet, es fehlt noch die Säule in der Mitte des Ovals.

Bretter schützen die Bäume vor den Baggern. Daneben erstreckt sich der lange Riegel des Fürstenbahnhofs, nach der Behandlung mit dem Sandstrahler hellgrau. Der halbrunde Erker in der Mitte hat einen neuen Anstrich bekommen und dem Jugendstil nachempfundene Fenster. Im September, so der Zeitplan, kann Georgios Droukas als Pächter darin ein Bistro mit Außenbewirtschaftung eröffnen.

Die Deutsche Bahn, Eigentümerin des Ensembles, stellt den Originalzustand her, wie ihn Friedrich Pützer geplant und Friedrich Mettegang 1912 gebaut hatte. Soweit das möglich ist. "Man muss immer Kompromisse schließen", sagt der städtische Denkmalpfleger Nikolaus Heiss. Für den Gastronomiebetrieb werden bereits eine Küche und moderne Toiletten gebaut.

Die hohen Herrschaften betraten den Fürstenbahnhof einst durch einen Eingang auf der linken Seite. So ist es in alten Zeitungsberichten zu lesen, die ein paar hundert Meter weiter im Hessischen Staatsarchiv lagern. Großherzog Ernst Ludwig gelangte durch den Aufenthaltsraum für sein Gefolge in den Fürstenempfangsraum. Dieser befand sich im Mittelrisalit, wie der Abschnitt mit dem Erker in der Fachsprache heißt. Daneben war ein fürstliches Schreibzimmer eingerichtet, in dem der Großherzog vor seiner Abreise noch arbeiten konnte.

Auf der Rückseite ist das Gebäude zweigeschossig. Eine Treppe führte vom Empfangsraum nach unten: direkt an Gleis 1. Nach einer Quelle des Staatsarchivs existierte auch ein elektrischer Aufzug, der dem Großherzog den Gang über die Stufen ersparte. In der gekachelten Wartehalle, Fürstensaal genannt, konnte sich Ernst Ludwig aufhalten, bis die für ihn reservierten Waggons einfuhren, oder bis ein Staatsgast eintraf.

Das großherzogliche Wappen am Giebel des Mittelrisalits, umrahmt von zwei hessischen Löwen, ist gut erhalten. Von der ursprünglichen Inneneinrichtung des Fürstenbahnhofs blieb dagegen wenig. Denkmalschutz keimte erst in den siebziger Jahren auf, und bis dahin galt vieles als Gerümpel. Immerhin: Zwei Räume sind noch mit gesprenkelten Kacheln ausgekleidet. Wertvolle Originale, sagt Denkmalpfleger Heiss. Der großherzogliche Keramiker Jakob Julius Scharvogel habe sie hergestellt, jede einzeln. Von demselben stammt auch der Wandbrunnen in einem Durchgangsraum.

Die übrigen Verkleidungen und sämtliche Möbel sind dem Amt für Denkmalschutz zufolge im Lauf der Zeit "verschwunden". Weggeworfen, gestohlen, wer weiß. Großherzog Ernst Ludwig konnte das Privileg eines eigenen Bahnhofs nur sechs Jahre nutzen. Aus Hessen-Darmstadt wurde 1918 eine Republik, die den Adel nicht mehr haben wollte. Der Großherzog wurde abgesetzt und musste reisen wie das gemeine Volk. Ihm blieb nur die Wahl, erster Klasse zu fahren.

Wie die Reichsbahn und später die Deutsche Bundesbahn das Gebäude nutzten, ist im Staatsarchiv nicht dokumentiert. "Die Bahn hat dazu keine Unterlagen", sagt Bahnhofsmanager Leonhard Reis. Schließlich könne man nicht bundesweit über jedes einzelne Gebäude Buch führen.

Sicher ist nur, dass zuletzt die Bahnpolizei und die Bahnhofsmission dort untergebracht waren. Dass die feinen Fenster im Erker irgendwann durch klobige ersetzt wurden, die Fassade einen Rauputz erhielt und der Eingang ein schnödes Wellblechdach. Und dass der Fürstensaal im unteren Stockwerk für Konferenzen zu mieten war. Auf Gleis 1 fahren heute Züge, die nicht in Darmstadt halten; für Bahnreisende beginnt die Zählung mit Gleis 2.

Das denkmalgeschützte Ensemble werde entrümpelt, kündigte die Stadt 1993 in einer Broschüre zur Geschichte der Darmstädter Bahnhöfe an. "Die Plätze sollen wieder angenehme Aufenthaltsorte und eine gute Visitenkarte der Stadt werden", lautete der Vorsatz.

Ob aus dem Bahnhof für hohe Herrschaften ein Treffpunkt der High Society wird? Georgios Droukas, Sohn von Dimitri Droukas, der früher das Restaurant in der Orangerie gepachtet hatte, will das Konzept für sein Lokal noch nicht preisgeben.